Reckingen - VS
Reckingen - VS

Unbekannt | 18. Jhs. | Restauriert 1975 | 15 I/P

  1. Bourdon ab g° – 16′
  2. Principal – 8′
  3. Gambe – 8′
  4. Suavial – 8′
  5. Copel – 8′
  6. Octave – 4′
  7. Flöte – 4′
  8. Superoctave – 2′
  9. Quinte – 1 1/3′
  10. Mixtur 3f (mit Terzchor) – 1′
  11. Kornett 3f – 2 2/3′
  12. Trompete – 8′
  13. Clarinoz – 4′

Tremolo

  1. Contrebasse – 16′
  2. Bombarde – 8′

Tirasse fixe

Beschreibung der Orgel

Die Orgel der Pfarrkirche Reckingen gilt als eine der schönsten im ganzen Lande. Sie ist sehr raffiniert gebaut und gibt viele Rätsel auf. Sie ist die einzige Walliser Orgel des 18. Jahrhunderts, welche im Manual über zwei Zungenregister verfügt. Es gelang uns leider auch anlässlich der Restaurierung nicht, den ursprünglichen Erbauer zu eruieren.

Das in seiner Form und Ausführung abseits und einzigartig in der Walliser Landschaft stehende Orgelwerk wies im Prospekt ursprünglich acht weitere, kleine Pfeifenfelder à 5 Pfeifen auf. Diese 40 Pfeifen existieren heute nicht mehr und die nach oben mit gotischem Bogen (Tudorbogen) abschliessenden Pfeifenfelder wurden zugemacht. Von diesen 8 Feldern waren 4 mittels eingekerbten Luftleitungen mit der Windlade verbunden.

Man muss wissen, dass der Bau der Pfarrkirche Reckingen erst 1745 vollendet und die Kirche 1748 eingeweiht wurde, nachdem die Gemeinde Reckingen während mehr einem Jahrhundert vergeblich versucht hatte, sich von der Pfarrei Münster loszukaufen. Der Ehrgeiz und die Freude über die eigene Pfarrei war so gross, dass die besten Künstler für den Innenausbau verpflichtet wurden und man scheute auch keine Kosten.
Reckingen ist die Wiege des walliser Orgelbaues mit den Familien Carlen und Walpen. Es wird immer wieder erzählt, dass Carlen oder Walpen, oder beide gemeinsam, dieses Werk erbaut hätten. Verschiedene bauliche und klangliche Indizien sprechen jedoch dagegen, obwohl es naheliegend gewesen wäre, dass Mathäus Carlen und Johannes Walpen am Bau dieser außergewöhnlichen Orgel beteiligt gewesen wären.

Die ganze Grundkonzeption, der technische Aufbau und das ausgezeichnete, von feiner Lötkunst geprägte Pfeifenwerk passen nicht auf die bis heute erforschte Arbeitsweise eines Mathäus Carlen oder Johannes Walpen.

Es ist überliefert, “dass 1 Jahr nach der Einweihung, also 1749, am 6. Febr., nachts um 02.00 Uhr eine gewaltige Lawine aus dem Bächental hervorbrach, welche das Pfarrhaus hinweg riss und die Kirche beträchtlich beschädigte. Das Portal wurde hinweg gerissen, die Fenster eingedrückt und das Innere mit Schnee gefüllt. Längere Zeit mussten die Fenster wegen der gewaltigen Lawine als Eingang benutzt werden. Erst am St. Markustage wurde die Kirchenpforte richtig gangbar”.

Wenn man die Höhe der Fenster dieser Kirche in Betracht zieht, kann man sich leicht ausrechnen, dass die Schneemassen dieser Lawine mit grossem Druck durch das Vordach der Kirche, welches die Blasbälge beherbergte, sowie durch den Mauerdurchgang zur Orgel ins Kircheninnere stiessen und das damals kurz zuvor fertiggestellte Orgelwerk arg zerstören mussten.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass nach dieser Katastrophe Mathäus Carlen und Johannes Walpen zu retten suchten, was noch zu retten war und hernach die Orgel wieder nach den gegebenen Möglichkeiten und ihren Vorstellungen instand setzten, wobei sie verloren gegangene Teile neu anfertigen mussten.

Wahrscheinlich sind bei dieser Lawinenkatastrophe auch die 2 Manual-Zungenregister untergegangen und erst viel später ersetzt worden. (durch die Gebrüder Konopka aus Polen).

Hans-Jakob Füglister